Kirchen von Zernez und Vnà: Einblicke in Geschichte und Architektur

Die evangelischen Kirchen in der Gemeinde Zernez, gelegen außerhalb des Dorfzentrums auf einem Hügel mit guter Übersicht über das Tal, sind zwei bemerkenswerte Gotteshäuser mit jeweils eigener Geschichte und architektonischen Besonderheiten. Die größere Kirche, die Baselgia Gronda, und die kleinere Kirche San Bastian bieten Einblicke in die religiöse und kulturelle Entwicklung der Region Graubünden.

Die Baselgia Gronda: Ein Zeichen von Macht und Pracht

Die Baselgia Gronda steht an der Stelle der ehemaligen Kirche San Mauritius, die bis 1607 bestand. Der Bau der heutigen Kirche wurde von einem Mitglied der Herrscherfamilie von Planta, die das Schloss Planta-Wildenberg besaß, initiiert. Ritter Rudolf von Planta stiftete einen Neubau, der zwischen 1607 und 1609 errichtet wurde und als politisches Zeichen seiner Familie diente. Der romanische Turm des Vorgängerbaus ist erhalten geblieben und zeugt von mittelalterlichen Ursprüngen, während der heutige Kirchenkomplex dem frühen Barockstil zuzuordnen ist.

Architektonische Merkmale und Innenausstattung

Im Inneren der Baselgia Gronda beeindrucken außergewöhnliche Stuckaturen im für Graubünden typischen Frühbarockstil. Reich verzierte Fruchtmotive dominieren die Dekoration. Im Chor befindet sich ein Kommuniontisch aus dem Jahr 1725, um den herum mehrere Epitaphe bedeutender Zernezer Familien aufbewahrt werden. Die Orgel, gefertigt im Jahr 1741, weist eine dreiteilige Fassade auf und steht auf einer Empore über dem Chor, die ebenfalls aus den Jahren 1741/1742 stammt.

Stuckaturen im Innenraum der Baselgia Gronda mit Fruchtmotiven

Die Kirche wird heute hauptsächlich für Festlichkeiten genutzt.

Die Kirche San Bastian: Kunst und Spiritualität

Rechts neben der Baselgia Gronda befindet sich die kleinere Kirche San Bastian, die dem Heiligen Sebastian gewidmet ist. Diese Kirche zeichnet sich durch ihre wunderbaren Wandbilder aus, in denen Frauenfiguren mit Heiligen wie Anna, Maria, Barbara, Katharina und Margareta dominieren. Besonders berühmt ist die sogenannte «Mondsichel-Madonna» in der Mitte des Chores, dargestellt im strahlenden Glanz einer Sonne, mit einer sternenbesetzten Krone und dem Jesuskind im Arm.

Die

Seit 1950 finden in der Kirche San Bastian die regulären Gottesdienste statt. Die Kunstwerke, darunter verschiedene Glasfenster von unterschiedlichen Künstlern und Wandgemälde des Bündner Künstlers Rudolf Mirer, prägen das schlichte Innere dieser Kirche. Im Winter werden hier sämtliche Gottesdienste abgehalten.

Die Kirche von Vnà: Geschichte und Bedeutung

Die Kirche von Vnà, die dem Heiligen Mauritius gewidmet war, hat eine lange und komplexe Geschichte. Die genaue Entstehungszeit des heutigen Kirchengebäudes liegt im Dunkeln. Nach den Wirren des Rätischen Bunds Mitte des 17. Jahrhunderts und im Laufe des 18. Jahrhunderts gab es erhebliche Spannungen mit dem benachbarten Ramosch. Die Bündner Synode Vnà hatte zwar einen eigenen Pfarrer genehmigt, doch Ramosch erschwerte diese Vereinbarung durch verschiedene Bedingungen. Ein Nachteil für Vnà war das Fehlen eines eigenen Friedhofs, was jede Beerdigung zu einem offiziellen Akt machte, in den Ramosch involviert war.

Architektonische und liturgische Besonderheiten

Der Kirchturm von Vnà, mit einem einstöckigen Glockenraum und zweistufigen Öffnungen in jede Himmelsrichtung, wird von einem relativ flachen Zeltdach überragt. Der Grundriss des Kirchenschiffs, das mit einem Walmdach bedeckt ist, weist eine auffällige Asymmetrie auf. Der Chor, der ohne Schallabdeckung ist, schließt sich dem Langhaus an und ist durch einen Rundbogen abgetrennt. Gedeckt ist er von einem filigranen Netzgewölbe, in dessen Mitte sich der Taufstein befindet. Nach reformiert-rätischem Brauch wird hier auch das Abendmahl gefeiert.

Ein kleines Rundfenster im Chor zeigt die geöffnete Bibel und unterstreicht damit das reformatorische Prinzip «Sola scriptura». Im Rahmen einer Restaurierung im Jahr 1963 wurden Wandmalereien entdeckt und erhalten.

Detailansicht des Fensters mit der offenen Bibel im Chor der Kirche von Vnà

Kirchliche Zugehörigkeit

Lange Zeit bildete Vnà eine Pfarrei mit Ramosch und war pfarramtlich mit Tschlin, Strada und Martina verbunden. Seit dem 1. Januar 2014 gibt es eine fusionierte Pfarrei Valsot. Diese gehört zum Kolloquium VIII Engiadina Bassa - Val Müstair in der Evangelisch-Reformierten Kirche Graubünden.

Anreise nach Zernez und Vnà

Die Anreise nach Zernez ist sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit dem Auto gut möglich.

Öffentliche Verkehrsmittel

  • Mit der Rhätischen Bahn (ab Landquart, St. Moritz, Pontresina und Scuol) stündlich nach Zernez.
  • Mit dem PostAuto (ab Malles/Müstair).
  • Mit dem Engadinbus (ab La Punt-Chamues-ch).

Für die Anreise nach Vnà: Mit der Rhätischen Bahn (ab Chur, Landquart/Prättigau oder aus dem Oberengadin) bis Scuol-Tarasp. Von Scuol aus mit dem PostAuto nach Ramosch/Vnà.

Anreise mit dem Auto

Von Zürich:

  • Über Landquart - Prättigau - Klosters - Davos - Flüelapass - Susch nach Zernez.
  • Alternativ über Chur - Thusis - Tiefencastel über den Albula-Pass (nur im Sommer geöffnet) oder den Julier-Pass.

Bei Schneefall ist die Passüberquerung oft nur mit Schneeketten oder Allradfahrzeugen gestattet.

Von Osten:

  • Über Landeck/Österreich - entlang der Engadiner Straße - Scuol - Zernez.

Von Süden:

  • Über den Ofenpass (Val Müstair), von Livigno oder über den Reschenpass - Scuol, sowie aus dem Oberengadin über Samedan - Zuoz nach Zernez.

Von Norden (nach Vnà):

  • Über Landquart - Klosters mit Autoverladung durch den Vereina-Tunnel (Selfranga - Sagliains) oder über den Flüelapass ins Unterengadin auf der H27.

Von Osten (nach Vnà):

  • Über Landeck / Österreich in Richtung St. Moritz auf der H27.

Von Süden (nach Vnà):

  • Über den Reschenpass (Nauders-Martina) oder Ofenpass (Val Müstair-Zernez) auf der H27. Von Scuol erreichen Sie Vnà auf der Engadinerstraße in Richtung Martina.

Autoverladung:

Um eine Passfahrt mit dem Auto zu vermeiden, besteht die Möglichkeit, das Auto auf die Schiene zu verladen: von Klosters/Selfranga nach Sagliains/Lavin und umgekehrt (Gäste bleiben im Auto sitzen).

Kirche Schnürpflingen / ein virtueller Rundgang

Parkmöglichkeiten

In Zernez stehen kostenfreie Parkplätze zur Verfügung:

  • Parkplatz Alossai
  • Parkplatz Gemeindezentrum
  • Parkplatz Familienbad

Weitere Parkmöglichkeiten am Bahnhof und bei Prà da Punt können auch für mehrere Tage genutzt werden.

In Vnà sind kostenfreie Parkplätze am Dorfeingang vorhanden.

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